Prádena del Rincón ist ein hübsches Dorf von 117 Einwohnern, das auf einem sanften Hügel liegt, der zum Tal des Garita-Baches abfällt. Sein Name (er leitet sich wahrscheinlich von „prado“ oder „pradera“ = Wiese ab) passt genau zur umliegenden Landschaft. Wiesen und Berge wechseln in einem schönen Kontrast ab. In seinem Gemeindegebiet steigen die Hänge der Sierra de la Puebla bis auf 1800 m Höhe auf. Das ist kein Wunder, denn Prádena del Rincón liegt zwischen den Ausläufern des Somosierra-Gebirges und dem Ayllón-Massiv. Das Dorf selbst befindet sich auf 1104 Metern über dem Meeresspiegel.

Es ist der erste obligatorische Halt, wenn du das Reservat der Biosphäre Sierra del Rincón besuchst. Denn wenn du über die M137 von Madrid kommst, ist es die erste Gemeinde, die zum Reservat gehört. Hier musst du durch, wenn du zu den anderen zur Biosphäre gehörenden Orten Horcajuelo de la Sierra, Montejo de la Sierra, La Hiruela oder Puebla de la Sierra möchtest.

An Wasser mangelt es hier nicht. Durch das 22 km2 große Dorfgebiet ziehen vielen Bäche. Obendrein durchquert auch der Bewässerungskanal das Gebiet. Er bringt Wasser von La Hiruela. All diese Besonderheiten zeigen dir, dass die Menschen hier respektvoll im Einklang mit der Natur gelebt haben. Die Hand des Menschen hat kaum in die Landschaft eingegriffen. Wiesen, Berge und Natur stehen im Vordergrund.

Blick ins Dorf und über das Tal
Blick ins Dorf und über das Tal

Die Flora und Fauna in diesem Gebiet entspricht der der Biosphäre Sierra del Rincón. Du findest Eichen, Stechpalmen, Ebereschen, Wacholder, Heidekraut, Kirschbäume, Birnbäume, Ulmen und aromatischen Pflanzen. Hier leben Füchse, Rehe, Wildschweine, Steinadler und eine große Anzahl von Vögeln.

Zur Geschichte von Prádena del Rincón

Das genaue Gründungsdatum ist nicht bekannt. Im Gemeindegebiet von Prádena wurden 1881 eine Fibrolithaxt aus der Bronzezeit und andere prähistorische Überreste gefunden. Es wurden aber keine Ausgrabungen durchgeführt, um die Existenz möglicher menschlicher Siedlungen aus dieser Zeit zu bestätigen. Auch den Überresten aus der Römerzeit ist man nicht nachgegangen.

Die erste Kunde vom Dorf taucht ähnlich wie bei den anderen Orten der Gegend aus der von König Alfons VI. 1076 gewährten Gerichtsbarkeit (Fuero) von Sepúlveda auf. Darin wird das Land zwischen den Tälern der Flüsse Lozoya und Jarama erwähnt, wo sich heute Prádena del Rincón befindet. 1085 eroberte Alfons VI. Buitrago del Lozoya von den Arabern, das zu jener Zeit Teil des Königreichs Toledo war. In diesem Zusammenhang gewährte der König im Jahr 1096 Buitrago das Recht auf Wiederbevölkerung und ein eigenes Wappen: ein Stier und eine Steineiche mit der Legende „Ad alenda pecora“ („zur Versorgung der Tiere“). Bei der Gründung der Comunidad de Villa y Tierra gehörte auch Prádena del Rincón zusammen mit anderen Dörfern der Region zu diesem Bevölkerungskern. Daraus schließt man, dass das Dorf in den Zeiten der Reconquista zwischen 1085 und 1096 gegründet wurde.

Was war eine Comunidad de Villa y Tierra?

Eine Comunidad de Villa y Tierra (zu deutsch etwa „Stadt- und Landgemeinschaft“) war eine Form der politischen Organisation der kastilischen Extremadura, die vom 11. bis 12. Jahrhundert vom Königreich Kastilien aus Al-Ándalus erobert wurde.

Eine Gemeinschaft von Stadt und Land bestand aus Gemeindeland, das verschiedene Dörfer um ein größeres Dorf umfasste, und das wiederum in sechs Sexmos oder acht Achtel unterteilt war. Diese Ländereien konnten als Verweis auf ihren Besitzer realengo sein, wenn sie dem König gehörten, abadengo, wenn sie einem Abt oder Bischof gehörten, solariego (angestammte Ländereien), wenn sie einem Adels- oder Militärorden angehörten, oder behetria, wenn die Einwohner selbst den Herrn wählten.

In diesem neuen System ist das Zentrum und die Achse des Verwaltungsschemas die Villa (Stadt). Die Nachbarn oder Stadtbewohner waren in einem Rat organisiert und erhielten vom König ein riesiges Gebiet von Hunderten und sogar Tausenden von Quadratkilometern, über das sie die Eigentums- und Organisationsrechte ausübten, die zuvor dem König, den Magnaten und den Äbten gehörten (Quelle Wikipedia).

Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das schaffen viele

Diesen Spruch von Friedrich Wilhelm Raiffeisen kannten die Leute aus den Dörfern der Sierra del Rincón offensichtlich auch. Deshalb schlossen sich Prádena del Rincón, Horcajuela de la Sierra, Montejo de la Sierra, La Hiruela und Puebla de la Sierra zum Gemeindeverband (mancomunidad) „Sierra del Rincón“ zusammen. Dies sind Gemeinden mit einer ausgeprägten Viehtradition, die derzeit wenig bevölkert sind (insgesamt etwa 718 Einwohner). Sie besitzen aber natürliche und kulturelle Ressourcen von großer Bedeutung.
Dieser Verband übernimmt die grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen, die in der Verantwortung der Gemeinden liegen, die sie aber aufgrund ihrer geringen Größe nur schwer separat erbringen können. Dazu gehören:

Rathaus von Prádena del Rincón
Rathaus von Prádena del Rincón

Straßenbeleuchtung, Gesundheit, Städtische Friedhöfe, Bildung, Kultur, Sport, Jugend, Frauen und soziale Dienste, lokale Entwicklung und Tourismusmanagement, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Kriegsdienstverweigerung, Erhaltung, Nutzung, Verteidigung und Verbreitung der natürlichen Umwelt, Straßenreinigung und Transport.
Der Sitz des Gemeindeverbandes befindet sich in Prádena del Rincón.

Wie komme ich nach Prádena del Rincón?

Wenn du mit dem Auto kommst:

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln

Prádena del Rincón verfügt über vier Buslinien. Davon ist jedoch nur die Linie 191 direkt mit Madrid verbunden. Endhaltestelle ist der Busbahnhof an der Plaza de Castilla. Das sind die Buslinien:

  • Linie 191: Madrid (Plaza de Castilla) – Braojos de la Sierra
  • Linie 191C: Buitrago – Montejo de la Sierra
  • Linie 911: Buitrago – Montejo – La Hiruela
  • Linie 912: Buitrago – Montejo – Puebla de la Sierra

Was kann ich in Prádena del Rincón unternehmen?

Sehenswürdigkeiten

Schon am Eingang des Ortes macht ein Schild dich darauf aufmerksam, was man sich in Prádena anschauen sollte. Darunter befinden sich

Willkommensschild am Ortseingang von Prádena del Rincón
Willkommensschild am Ortseingang von Prádena del Rincón
  • Die Kirche Santo Domingo de Silos im romanischen und Mudejar-Stil aus dem 12. und 13. Jh.
  • Der traditionelle Backofen (horno tradicional )
  • Beschlagsstand (Potro de herrar )
  • Traditioneller Waschplatz (Lavadero tradicional)
  • Salmoral-Teich (Laguna de Salmoral)

Am spannendsten war für mich zweifelsohne die Kirche. Zum einen kannst du hier eine der best erhaltenen Nekropolen Madrids mit 96 in Stein gehauenen Gräbern besichtigen. Zum anderen gab es für mich eine Neuheit, nämlich die Glockenschmiede:

Glockenschmiede bei der Kirche Santo Domingo de Silos
Glockenschmiede bei der Kirche Santo Domingo de Silos

Anscheinend reisten die Glockenmeister im Mittelalter zu den Orten, an denen Kirchen gebaut wurden, und bauten dort ihre Werkstätten. Diese wurden in den Boden gegraben. Nach Abschluss der Arbeiten wurden die Öfen und Formen vergraben oder zerstört, um das Berufsgeheimnis des Handwerksmeisters zu bewahren. Die Entdeckung dieser Gießerei in Prádena del Rincón ist daher der Schlüssel zum Verständnis des Herstellungsprozesses handgefertigter Glocken, der mit der Herstellung einer Tonform begann, die dann vergraben wurde und nur das Loch offenließ, durch das die geschmolzene Bronze eingegossen wird. Der Ofen wurde dann über die vergrabenen Formen gehoben, aus dem die Metallschmelze floss. Nach Erkalten wurden die Formen ausgegraben und die Glocke von ihrer Tonform befreit.

Wanderwege

In Prádena gibt es viele Wander- oder Fahrradwege. Die meisten sind ausgeschildert, so dass du ihnen leicht folgen kannst. Einige von ihnen verlaufen auf der „Cañada de las Merinas“, eine Strecke der „Cañada Real“, die Viehtrift, über die das Vieh während der Transhumanz geführt wurde. In der Gemeinde Prádena gab es eine Ruhestätte, an der die Hirten Halt machten, damit sich das Vieh ausruhen konnte.

Nekropolis der Kirche Santo Domingo de Silos
Nekropolis der Kirche Santo Domingo de Silos

Die Kultur Kastiliens

Die Dörfer dieser Region sind allein schon durch ihren Ursprung fest mit in der kastilischen Kultur verwurzelt. Besonders ersichtlich wird dies während der Dorffeste.

Prádena del Rincón strahlt eine wohltuende Schlichtheit aus

Wie Alejandro López Andrada in seinem Buch „El viento derruido“ (Der eingefallene Wind) schreibt, liegt die Erinnerung eines Dorfes nicht im Materiellen, im Kalk und in den Steinen der Häuser, sondern eher in den Taten und Worten, in der Seele der Personen, die es bewohnen. Viele der Menschen, die hier wohnten, sind in die Stadt Madrid oder gar nach Deutschland, der Schweiz oder Frankreich gezogen, um sich dort ihre Zukunft aufzubauen. Einige haben aber dieser Versuchung widerstanden, und blieben dem langsamen Rhythmus des Dorfes, dem Klang der Natur, ihren Zyklen und der frischen, kühlen Bergluft verbunden.

Weiter in den Bergen, in La Hiruela und La Puebla de la Sierra, verstärkt sich dieses Gefühl. Es öffnet dich und du merkst, dass du jetzt ganz anders, offener, auf die Menschen hier zugehst. Sie sprechen dich ganz freundlich an und erzählen dir von sich aus über ihr Leben oder was sie tun, und zeigen dir stolz historische Orte in ihrem Dorf. Die einen holen gerade die Kinder von der Schule ab, der andere geht in den Garten graben. Eine weitere Nachbarin zeigt uns begeistert ihr Haus und ihre tollen Gemälde. Zum Abschied werden extra die besten Äpfel aus dem Keller geholt und dir mit einem lieben Gruß mit auf den Weg gegeben. Man gibt dir bereitwillig und ohne Hast Auskunft. Natürlich alles unter Bewahrung der strikten Hygienemaßnahmen und dem gebührenden Abstand. Aber die Art der Menschen macht es viel erträglicher.

Straße mit typischen Häusern
Straße mit typischen Häusern

Du lernst, dich wieder mal einfach in die Sonne zu setzen, und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen. Beim Schlendern durch das Dorf erkennst du, wie die Menschen hier ihr Dorf mit Liebe und Geschmack renoviert und dabei die traditionelle Architektur respektiert haben. Die neuen Fassaden wurden mit dem wiedererwachten Wiederbevölkerungs- und Lebensgeist zementiert. Der Zahn der Zeit, der vor zwanzig Jahren noch allenthalben sein Unwesen trieb, wurde weitestgehend verdrängt. Irgendwie springt dieser Lebenswille auf dich über. Du fühlst dich ausgeglichener, auch wenn du dir all der Probleme eines Lebens in einer dünnbesiedelten Region bewusst bist.

La Hiruela ist ein ganz besonderes Dorf. Es liegt versteckt in einem Tal der Sierra del Rincón. Schon auf der Fahrt dorthin kommt es dir vor, als ob du in die Zeiten des Films „Der Tag des Falken“ eintauchst. Vorsichtig folgst du der engen, mit Schneeleitstäben gekennzeichneten Bergstraße mit Spitzkehren durch eine zerklüftete Landschaft aus Hügeln und Bergen, Wäldern und Wiesen, Tälern und Bächen. Am liebsten würdest du aussteigen und zu Fuß weiterwandern. Du schlängelst dich weiter bis auf den 1478 m hohen Pass mit dem gleichen Namen. Hier nimmt dich der atemberaubende Ausblick auf beide Seiten der Biosphäre der Sierra del Rincón und die schroffen Felsen gefangen. Danach geht es langsam 3 km weiter bis auf 1253 m Höhe durch Eichenwälder bergab, die trotz Spätherbst noch wunderschön rotbraun leuchten. Du siehst das Dorf noch immer nicht, wenn du das Auto auf dem Parkplatz vor dem Dorf abstellst.

Blick vom Pass Puerto La Hiruela Richtung Prádena del Rincón
Blick vom Pass Puerto La Hiruela Richtung Prádena del Rincón

Von dort aus schlenderst du langsam die Straße hinunter. Jetzt heißt dich ein freundliches Schild am Spielplatz willkommen. Schräg gegenüber streckt ein gigantischer Birnbaum seine Äste in den Himmel. Neben ihm muten dir die Menschen wie kleine Ameisen an. Die Tafel davor erklärt uns, dass der Baum schon über 200 Jahre alt und als der größte Birnbaum der Autonomen Gemeinschaft Madrid, vielleicht sogar ganz Spaniens, katalogisiert ist. Links davor sprudelt ein kleines Bächlein. Rechts im Tal hörst du den Bach des „kleinen Brünnleins“ (Arroyo de la Fuentecita) im mit Laubbäumen, vor allem Eichen, bewachsenen Tal rauschen. Sonst ist es sehr ruhig. Nur die Vögel zwitschern.

Im Bann der traditionellen Architektur

Die Häuser sind aus Stein, Lehm und Eichenholz aus der Dehesa. Sie sind zwar renoviert, haben aber seit ihrem Bau kaum Veränderungen in ihrer Struktur erfahren. Dadurch hat La Hiruela seine eigene architektonische Identität beibehalten. Das macht das Dorf zu einem Kleinod der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Dank seiner Isolation ist es ihm gelungen, im Laufe der Jahrhunderte ein Ökosystem mit unveränderten Landschaftswerten zu erhalten.

Platz mit typischen Häusern und Blick in die Berge
Platz mit typischen Häusern und Blick in die Berge

Je weiter du die Straße Richtung Kirche gehst, entdeckst du zwischen den Häusern immer mehr von der Dehesa von La Hiruela mit erstaunlichen Pyrenäen- und Trauben-Eichen. Es eröffnet sich dir ein faszinierender Naturraum mit einer abwechslungsreichen Vegetation. Haselnüsse, Birken, Wacholder … und eine ganze Menge Grün und bunte Farben des Herbstes. Du bekommst das Gefühl, dich in Nordspanien zu befinden.

Blick vom Dorf zu den Bergen und der Dehesa
Blick vom Dorf zu den Bergen und der Dehesa

Eigentlich ist das gesamte Dorf ein Museum, egal welche Straße du wählst. Als besondere Sehenswürdigkeiten im Dorf sind der Waschtrog, das durch seine Schlichtheit bestechende Rathaus, das Pfarrhaus und das Haus der Lehrerin sowie die alte Schule zu erwähnen, die zu einem sozialen Treffpunkt mir Bar umfunktioniert wurde. Leider habe ich es nicht bis zur Mehlmühle am Fluss Jarama etwas außerhalb des Dorfes geschafft. Die steht nun ganz oben auf der Liste für meinen nächsten Besuch.

La Hiruela ist eine Reise zurück ins 18. Jh.

Wie du sicher weißt, bin ich immer wissensdurstig auf die Geschichte der Orte. Überraschenderweise las ich auf der Website von La Hiruela, dass keine Daten über die Gründung des Dorfes oder über die Herkunft seines Namens bekannt sind. Man geht davon aus, dass die erste Besiedlung zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert nach der Rückeroberung und Wiederbevölkerung des gesamten Gebiets erfolgte.

Seit 1490 hatte La Hiruela aufgrund seiner Abgeschiedenheit vom Rest der Bevölkerung eine gewisse Autonomie und erwarb sogar so etwas wie Stadtrechte und das Recht auf einen eigenen Pranger. Der Triftweg von La Hiruela wurde in die höchste Kategorie „Cañada Real“ eingeordnet. Daran kannst du sehen, dass die Viehzucht hier von großer Bedeutung war. La Hiruela behielt im 16. und 17. Jahrhundert das Recht auf Weide, Wasser, Kohle, Jagd und Fischerei.

Straße mit Erdbeerbaum
Straße mit Erdbeerbaum

Im Jahr 1751 bewohnten 220 Menschen den Ort. Zu dieser Zeit gab es bewässerte und trockene Wiesen, nicht bewässertes Saatland, Hutewälder für Weiden und Brennholz, gemeinsam genutzte Gemeindeweiden, Berge und unkultiviertes Land. Es wurden Roggen, Flachs, Leinen, Kräuter, Äpfel und Kirschen angebaut. Man züchtete hier Schweine, Kühe, Ziegen und Schafe. Die Bewohner stellten auch Honig her. Seit dieser Zeit hat sich das Dorf praktisch nicht verändert.

Die Wanderung La Hiruelas durch die Provinzen

La Hiruela gehörte übrigens nicht immer zu Madrid, sondern zuerst zur Comunidad Villa y Tierra de Sepúlveda in der Provinz Segovia, das heute zu Kastilien und León gehört. Dieses Gebiet war in acht „Ochavos“ unterteilt. Die Ochavos waren territoriale Bezirke mit einer gewissen Autonomie. In jedem von ihnen vertrat ein „Ochavero“ die Interessen seiner Dörfer gegenüber denen der Stadt Sepúlveda. La Hiruela gehörte von Anfang an zum Ochavo de la Sierra und war somit in die Gemeinde Colmenar de la Sierra im heutigen Guadalajara (Kastilien-La Mancha) integriert. Vorher hieß das Dorf La Hiruela de Buitrago, offiziell bekannt als La Hiruela.

Während der Aufteilung Spaniens in Provinzen 1834 wurde La Hiruela von Colmenar de la Sierra unabhängig und der neuen Provinz Guadalajara zugeteilt. Erst bei der zweiten Aufteilung 1838 wurde La Hiruela Madrid zugesprochen.

La Hiruela blutet aus – seine Essenz bleibt

Mitte des 19. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl 128. Seitdem ist die Bevölkerung, insbesondere ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, aufgrund der intensiven Auswanderung nach Madrid zunehmend zurückgegangen. 2018 gab es nur noch 48 Einwohner. Das sind nur 3 Einwohner pro km2. Nur zum Vergleich dazu: Die geringste Bevölkerungsdichte in Deutschland findest du in Mecklenburg-Vorpommern mit 69 Einwohner je km².

Dennoch bewahrt La Hiruela sein wichtiges ethnologisches Erbe sowie sein ursprüngliches Aussehen und Struktur. Die Umgebung des Dorfes ist nicht durch reizlose Siedlungen von Wochenendhäusern und Zweitwohnungen verschandelt, wie es sonst in vielen Dörfern der Berge Madrids zu sehen ist.

Was kann ich alles in La Hiruela unternehmen?

So kommst du nach La Hiruela

Ortsplan

Zur besseren Orientierung lädst du dir am besten erst einmal den Ortsplan runter. So findest du die einzelnen Sehenswürdigkeiten schneller.

Das ethnologische Museum

Als alter Geschichtsbegeisterter empfehle ich dir nach dem Rundgang durchs Dorf als erstes den Besuch des ethnologischen Museums. Hier bekommst du einen genauen Überblick über Land, Leute und Kultur der Einwohner des Dorfes und der Region und wie sie lebten. Zur weiteren Vertiefung vor Ort kannst du dir dann die Wanderungen und Besichtigungen herauspicken, die dich am meisten interessieren.

Das ethnologische Museum in La Hiruela
Das ethnologische Museum in La Hiruela

Das Museum wurde 2002 eingerichtet. Die Räume bilden ein altes Landhaus aus dem 17. Jahrhundert nach. Heute umfasst die ethnografische Sammlung insgesamt 1000 Stücke. Wenn du dich weiter informieren möchtest, lade dir dieses PDF herunter. Vorsicht. Das Museum ist nicht jeden Tag geöffnet. Die Öffnungszeiten findest du im PDF.

Die traditionellen Handwerke

Eine Art, die Lebensweise der Menschen hier zu verstehen, ist ihre Handwerke kennenzulernen. Deshalb gefällt mir dieser vorgeschlagene Rundweg so sehr. Er führt dich zur Mühle, die alten Bienenstöcke und die Köhlerei. In weniger als zwei Stunden verstehst du, womit sich die Menschen in La Hiruela den Lebensunterhalt verdienten.

Die Kirche San Miguel Arcángel in La Hiruela
Die Kirche San Miguel Arcángel in La Hiruela

Wanderwege zum Entspannen und Genießen

Neben den oben genannten und den auf der Tafel am Ortseingang angegebenen Wanderwegen gibt es in der Region La Hiruela weitere Routen und Wanderwege von hohem landschaftlichen Wert:

GR 88:
Das ist ein Fernwanderweg, der in drei Zonen in die Provinz Segovia führt: La Mesta, die Romanik und die Burgen,und Bäche, Triftwege und Pfade.

Schluchten und Viehwege:
Es gibt zwei Hauptrouten der Wanderviehwirtschaft: eine, die vom Jarama-Fluss entlang des Fuentecilla-Flusses aufsteigt. Die zweite steigt ebenfalls vom Jarama-Fluss auf und führt am Friedhof vorbei zum Dorf Montejo de la Sierra.

La Rinconada:
Dieser Weg beginnt am Buchenwald Hayedo de Montejo und ist Teil der Kurzwanderwege Madrids (Ruta de Pequeño Recorrido Madrid 1 – PR-M-1). Er verläuft parallel zum Fluss Jarama. Dieser Wanderweg begeistert vor allem große Naturfreunde, die sich für Fauna und Flora interessieren.

Weitere Informationen zu diesen Pfaden findest du unter www.madrid.org

Viel Spaß!

Die Biosphäre Sierra del Rincón, ein Berggebiet zwischen den Massiven Ayllón und Somosierra, liegt weniger als hundert Kilometer von der spanischen Hauptstadt entfernt. Sie ist einer der schönsten und unbekanntesten Orte im nördlichsten Zipfel der Autonomen Gemeinschaft von Madrid. Die Biosphäre umfasst fünf Gemeinden mit einer Fläche von insgesamt 15.231 Hektar.

Am 29. Juni 2005 wurde die Region von der UNESCO zum Biosphärenreservat Sierra del Rincón erklärt. Damit ist sie nun Teil des 1976 von der UNESCO ins Leben gerufenen Weltnetzwerks von rund 500 Biosphärenreservaten in mehr als 100 Länder auf der ganzen Welt.

Die Anerkennung dieses einzigartigen Raums war das Ergebnis der Zusammenarbeit und des Einsatzes verschiedener Institutionen und Verwaltungen, insbesondere der Bewohner der dazugehörenden Gemeinden Horcajuelo de la Sierra, Prádena del Rincón, La Hiruela, Montejo de la Sierra und Puebla de la Sierra.

Wie komme ich hin?

Wenn du mit dem Auto von Madrid aus startest, nimmst du am besten die A1/E5 Richtung Burgos. Nach etwa 67 km biegst du an der Ausfahrt 76 ab und fährst auf der M137 nach Gandullas. Danach geht es auf der M132 weiter nach Prádena del Rincón. Das ist der erste Ort, der zur Biosphäre Sierra del Rincón gehört. Von dort aus erreichst du gut alle anderen Orte. Die Straße ist neu asphaltiert und gut gekennzeichnet, aber sehr kurvenreich. Oft kannst du nur 20 km/h fahren. Du bist halt im Hochgebirge.

Die fantastische Berglandschaft der Biosphäre Sierra del Rincón

Schon auf dem Weg von Gandullas nach Prádena tauchst du immer tiefer in die eminent bergige, ländliche und raue Orographie der Sierra del Rincón ein. Hier bewegst du dich auf Höhen zwischen 900 und 2047 Metern. Die Biosphäre ist reich an verschiedenen Ökosystemen. Du fährst durch Dehesas mit Pyrenäen-Eichen, Eichen und Buchen. In den Tälern findest du einige Eschen. An den Flussufern wachsen Weiden, Espen, Birken und Erlen. An den höheren Hängen ragen seltsame Felsformationen zwischen Geröll, aufgeforsteten Kiefernwäldern und Ginster hervor. Hinter Montejo wartet der geschützte südlichste Buchenwald Europas (Hayedo de Montejo) auf dich. Er ist der letzte Überrest der mitteleuropäischen Laubvegetation in Spanien.

Die zünftige Arbeit der alten Einwohner spiegelt sich unter anderem in den Kuhweiden von Puebla de la Sierra und La Hiruela wider. Die Dörfer sind von Trockenmauern umgeben. Das Land ist von außergewöhnlichen Eichen, Buchen und 100-jährigen Eiben und einzelnen katalogisierten Bäume bewachsen.

Deine Augen schweifen über eine mit verschiedenen Gesteinen aus Quarziten, Gneis und Schiefer gespickte Landschaft. Kombiniert mit den vielfältigen bunten Lebensräumen und der frischen, kräftigen Luft nach Laub und Kräutern genießt du ein einzigartiges Bild.

Auf dem Pass von Hiruela, mitten in der Biosphäre Sierra del Rincón
Auf dem 1487 m hohen Pass von Hiruela

Gehst du gerne auf die Pirsch?

Die Artenvielfalt der Biosphäre Sierra del Rincón ist unglaublich. Sie enthält mehr als 1000 Tier- und Pflanzenarten. Darunter sind fast 200 Wirbeltier, von denen 140 seltene, endemische Tiere sind oder im regionalen Katalog der bedrohten Arten aufgeführt sind. Die natürlichen Bedingungen der Biosphäre Sierra del Rincón machen sie zu einem idealen Lebensraum für viele Arten. So kannst du Gänsegeier, Schwarzgeier, Steinadler, Zwergadler, Habicht, Rotmilan, Uhu, Waldkauz und einige kleinere Vögel wie die Kohlmeise und die Meise beobachten.

In der Sierra del Rincón triffst du auch Wildschweine, Rehe, Hirsche und Füchse an. Der Jarama-Fluss beheimatet sogar Otter.

Das Leben in der Biosphäre Sierra del Rincón

Abseits der traditionellen Durchgangsorte zwischen den beiden Hochebenen Kastiliens auf der Nord- und Südseite der Sierra Norte erlaubten die abrupte Orographie und das knappe Ackerland keine Ansiedlung großer Bevölkerungsgruppen.

Die Umweltbedingungen wie die geringe Fruchtbarkeit des Bodens und das raue Klima ermöglichten es seinen Einwohnern nur, eine Subsistenzwirtschaft aufzubauen. Dadurch erhielt die Region den Beinamen Sierra Pobre (Arme Berge). So ist es nicht verwunderlich, dass die Bevölkerungsdichte schon immer sehr dünn war. Während der Landflucht der 60er und 70er Jahre nahm die Bevölkerung weiter ab.

Die natürlichen Ressourcen des Landes trugen somit bei, dass die Landschaft von der Forstwirtschaft und extensiven Viehzucht geprägt ist. Bis 1920 gab es in Montejo noch 12 000 Schafe, 13 000 Ziegen und ungefähr tausend Kühe. Das verfügbare Bruttoeinkommen pro Kopf in den Dörfern lag 2007 unter 10.500 €. Das ist gerade mal ein Drittel von dem, was man im selben Zeitraum in der Hauptstadt Madrid verdiente (31.490€).

Erst durch die Verbesserung der Infrastruktur und des Nachrichtenwesens aufgrund der Entdeckung des Buchenwaldes von Montejo als Touristenziel hat sich die Situation gebessert. Dennoch waren 2019 nur insgesamt 678 Einwohner gemeldet. Das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 4,45 Einwohner/km2. Das Durchschnittsalter beträgt 49 Jahre (2016). Das sind klare Merkmale des „leeren Spaniens“.

Kirche von La Hiruela mit Blick auf die Berge
Kirche von La Hiruela mit Blick auf die Berge

Als der Hayedo de Montejo als Anziehungspunkt für Touristen entdeckt wurde, setzte auch eine Entwicklung der Modernisierung ein. Wenn du dir z. B. den Dokumentarfilm „Un país en la mochila – Sierra Norte de Madrid“ von José Antonio Labordeta anschaust, der am 4. November 1995 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, und die Häuser in diesem Film mit denen von heute vergleichst, siehst du einen himmelweiten Unterschied. Die traditionelle Architektur der Gegend mit Schiefer wurde zu meiner Freude beibehalten.

Die traditionelle Architektur ist das vermenschlichte Spiegelbild der Essenz der Berge

Horcajuelo de la Sierra, Montejo de la Sierra, La Hiruela, Prádena del Rincón und Puebla de la Sierra bewahren fast intakte, sehr interessante Bauten und Häuser und Gebäude für die landwirtschaftliche Nutzung. Die mit den Materialien der Region erbauten Berghäuser sind das vermenschlichte Spiegelbild der Essenz der Berge. Es handelt sich hier um einen sehr charakteristischen ländlichen Typ, den du in sonst keiner anderen Region Madrids findest. Das macht diese Dörfer zu besonders bezaubernden Orten. Obwohl die Häuser, wie ich schon erwähnte, größtenteils renoviert wurden, hat man das Gefühl, dass hier die Zeit stehen geblieben ist.

Panorama des Plazes Plaza de la Comunidad in Horcajuelo
Panorama des Plazes Plaza de la Comunidad in Horcajuelo

In Horcajuelo de la Sierra und La Hiruela kannst du kleine ethnografische Museen sowie eine sanierte Schmiede und Mühle besuchen. Die Kirchen von Horcajuelo de la Sierra und Montejo de la Sierra haben ein enormes Erbe und eine beeindruckende Schönheit. Ganz besonders hebt sich die Kirche Santo Domingo de Silos von Prádena del Rincón hervor, in der bei ihrer letzten Restaurierung ihre Glockengusswerkstätte und eine Nekropole des 12. Jh. ans Licht kamen.

Wenn du das architektonische und religiöse Erbe der Dörfer der Sierra del Rincón kennenlernen möchtest, nutze die in jedem Ort vorgeschlagenen Routen. Beachte dabei, dass die Kirchen nur am Wochenende geöffnet sind, wenn die Pfarrer zum Gottesdienst kommen. Das Innere der Kirchen von La Hiruela und Puebla wurde während des spanischen Bürgerkriegs zerstört, so dass sein Erbe neuer ist und du für den Besuch nicht lange brauchst.

Auf, auf du junger Wandersmann

In dem Gebiet der Biosphäre Sierra del Rincón wird der Naturschutz mit der Wahrung kultureller Werte sowie der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Einklang gebracht. Es lohnt sich echt, das ausgebaute und ausgezeichnete Netz von Wanderwegen zu nutzen, um durch ihre verschiedenen Landschaften, Ökosysteme und Gemeinden auf Entdeckungsreise zu gehen. Plane dir dafür ausreichend Zeit ein.

Wenn du alle Dörfer mit ihren Sehenswürdigkeiten und natürlichen Reizen einschließlich der Kerngebiete des Biosphärenreservats, der Dehesa Boyal (Weidewald) von Puebla und den Buchenwald Hayedo de Montejo kennenlernen möchtest, wirst du bestimmt sieben Tage investieren müssen.

Auszeichnung der Wanderwege in Montejo de la Sierra
Auszeichnung der Wanderwege in Montejo de la Sierra

Soweit ich sehen konnte, gibt es in allen Dörfern Informationspunkte/Touristenbüros wo du ausführliche Information zu den Sehenswürdigkeiten und Wanderwegen erhältst. Es werden dir drei Arten von Routen vorgeschlagen: Tagesstrecken, Strecken für ein Wochenende und eine große Route, die eine Woche dauert. Diese Vorschläge werden noch durch vom Ministerium für Umwelt und Raumplanung der Gemeinschaft Madrid geförderte grüne Pfade ergänzt. Du kannst also deine Zeit bestens planen und voll auf deine Kosten kommen.

In diesen Zeiten des Covid 19 weiß man in Madrid oft nicht, wo man hindarf und wo nicht. Obendrein ändert sich das täglich. An Allerheiligensuchten suchten wir zu unserem körperlichen Bewegungsausgleich einen Ort, der sich möglichst in der Nähe befindet. Dadurch vermeidet man, öffentliche Verkehrsmittel benutzen zu müssen. Und so kam uns der Park Dehesa de la Villa in den Sinn, wo wir schon seit Jahren nicht mehr waren. Er liegt mit 2,5 km zu Fuß in erreichbarer Nähe. Da kann man ja immer hin, wenn man will. In „normalen“ Zeiten erscheinen einem weiter entfernte Ziele viel spannender.

So zwang uns die Pandemie, uns doch mal wieder mit diesem Park zu beschäftigen. Da wir keine Lust hatten, von der Polizei angehalten zu werden, schauten wir erst einmal ins Internet, ob die Dehesa de la Villa nicht zu einem der gesperrten Gebiete gehört. Dabei stieß ich auf mehrere Artikel über den Park und wurde mir zum ersten Mal gewahr, dass dies wohl einer der ältesten Parks Madrids ist. Und seine Geschichte erklärt, warum er einem im Vergleich zu den eleganten Parks wie El Retiro eher wild und naturbelassener erscheint.

Was ist denn eine „Dehesa“?

Das Wort „Dehesa“ stammt aus dem lateinischen defensa. Das ist ein begrenztes oder verteidigtes Landstück, d. h., es ist eingezäunt oder mit einer Mauer umgeben, um dieses Gebiet von Weiden und anderen Nutzungen abzugrenzen.

Für diesen Begriff gibt es in Spanien regional abweichende Definitionen. In den Dörfern des uns umgebenden Kastiliens bedeutet Dehesa normalerweise ein Gemeindeland, das den kommunalen Weiden gewidmet ist, auf denen man gemeinsam das Vieh weiden lässt. Es ist fast immer ein mit Bäumen bewachsenes Land, auf dem die Natur gut erhalten ist. Diesem Begriff kommen die deutschen Worte Hutewald oder Weidewald am nächsten. Ein typischer Hutewald ist z . B. der Monte de El Pardo.

Blick von El Monte de El Pardo zur Sierra de Guadarrama
Blick von El Monte de El Pardo zur Sierra de Guadarrama

Als die Dehesa de la Villa die Speisekammer der Stadt Madrid war

Das Gebiet, auf dem sich der Park befindet, wurde 1152 von Alfons VII. von León, dem damaligen „Kaiser ganz Spaniens“ (Imperator totius Hispaniae), der Stadt Madrid geschenkt. Damit wollte er Madrid für seine Treue und Beistand im Kampf gegen die Araber danken. Erst 67 Jahre zuvor hatte sein Großvater Alfons VI. die Stadt erobert und die Araber daraus vertrieben. Das Land liegt auf einem 700 m hohen Hügel 90 m über der damaligen Stadt. Man brauchte zu jener Zeit wohl 1 ½ Stunden zu Fuß bis dorthin. Heute gehört der Park zum Zentrum.

Die Region maß 2529 Scheffel (etwa 1000 Hektar oder 10 km²) und war wie alles um die Stadt bis hin in die Berge mit Steineichen bewachsen. Während des 13. und 14. Jh. diente die Dehesa Königen wie Alfons X. und Alfons XI. als Jagdgebiet für Großwild und insbesondere Wildschweine. Ab dem 14. Jh. war dieses Waldgebiet als die „Höhen von Amaniel“ bekannt. Lope de Amaniel war seines Zeichens Armbrustschütze des Königs Heinrich II. von Kastilien und Hauptwächter dieses Eichenwaldes.

Ab 1485 wird die Dehesa de Amaniel ausschließlich als Weide genutzt. Das Vieh war für die Fleischversorgung von Madrid bestimmt. In dieser Zeit wurde den Bewohnern der Stadt und ihrer Umgebung zum ersten Mal der Zugang zur Dehesa verboten. Durch die Nutzung als Viehweide verschwanden die Steineichen weitgehend.

In den Tagen von Karl I. (1516 – 1552, Karl V. für uns Deutsche) diente mehr als die Hälfte der Oberfläche der Dehesa de Amaniel dem landwirtschaftlichen Anbau. Ab 1530 wurden 1570 Scheffel gepflügt und kultiviert.

Weg mit Sportgeräten und Picknick-Platz in der Dehesa de la Villa
Weg mit Sportgeräten und Picknick-Platz in der Dehesa de la Villa

Die Dehesa de la Villa dient zur Finanzierung der Immobilienspekulation

Dies ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Immobilienspekulation keine Erfindung unserer Tage ist, sondern schon Ende des 16., Anfang des 17. Jh. existierte. Der Herzog von Lerma kaufte eine große Anzahl von Häusern, Palästen und Grundstücken in Valladolid zu sehr günstigen Preisen. Dann überredete er 1601 Philipp III. den Hof dorthin zu verlegen. Dadurch zogen eine große Anzahl von Beamten, Adligen, Künstlern und anderen mit dem Hof verbundenen Personen nach Valladolid. Die Preise stiegen und der Herzog verkaufte seine Immobilien. Er erzielte dabei enorme Gewinne. Umgekehrt sanken in Madrid die Immobilienpreise. Nun begann der Herzog von Lerma, Häuser in der Villa Madrid zu kaufen und überredete Philipp III. den Hof wieder zurück nach Madrid zu verlegen. Jetzt stiegen hier die Preise wieder an und der Herzog steckte erneut den Mehrpreis beim Verkauf der Häuser und Paläste in Madrid ein. Die Umzugskosten der Verlegung des Hofes nach Madrid 1606 wurden durch die Verpachtung eines ansehnlichen Teils der Dehesa de la Villa finanziert.

Ein Großteil der Dehesa fällt dem Prunk der Könige zum Opfer

Auch die nachfolgenden Könige schnitten sich ihr Scheibchen von der Dehesa ab:

  • Ferdinand VI. verkaufte 327 Scheffel, um den heutigen Königspalast zu finanzieren. Nun blieben nur noch 698 Scheffel Fläche über.
  • Karl III. wollte bequemer von den Palästen im Buen Retiro zum Zarzuela-Palast in El Pardo reisen können und ließ den Carabineros-Weg, die heutige Francos-Rodríguez-Straße, ausbauen.
  • Und Karl IV. verleibte gleich 418 Scheffel dem Real Sitio de Florida ein. Dieser Palast existiert heute nicht mehr. Er stand in etwa dort, wo sich nun der Parque del Oeste und der Stadtteil Argüelles bis hin zum Templo de Depod befinden.

Ab dem 19. Jh. erfuhr die Dehesa de la Villa eine bewegte Geschichte

Am 11. Mai 1860 marschierte die afrikanische Armee in Madrid ein und lagerte zwei Tage in der Dehesa.

Ein Jahr später spielt sich eine weitere Episode ab, die auch in unseren Tagen hätte geschehen können: Ein Grundstück wurde an die öffentliche Wohlfahrt verkauft. Es sollte eine als Vorbild dienende Irrenanstalt gebaut werden. Nichts desgleichen geschah.

1901 überschrieb der Staat dem Stadtrat von Madrid den Nießbrauch der Dehesa de la Villa zur Erholung der Einwohner. Die Stadtväter hatten aber anderes mit dem Park vor:

Von 1918 bis 1931 feierten die Madrider hier am 1. Mai den Tag der Arbeit. Danach wurde das Fest in die Casa de Campo verlegt.

1929 zweigte man 320 Hektar der alten Dehesa ab, um die Universitätsstadt der Universidad Complutense zu bauen, an der heute über 70 000 Studenten studieren.
Während des Bürgerkriegs verlief durch die Dehesa de la Villa die Verteidigungslinie der Stadt. Es fanden hier schwere Kämpfe statt.

Blick von der Dehesa de la Villa auf Universität und Moncloa
Blick von der Dehesa de la Villa auf Universität und Moncloa

Nach dem Krieg wurden auf ihrem Gebiet das Gymnasium Virgen de la Paloma, das Zentrum für Energie-, Umwelt- und Technologieforschung (CIEMAT), das Hauptquartier der bewaffneten Polizei und das medizinische Institut Fabiola de Mora y Aragón errichtet.

Von den ursprünglichen 1000 ha sind der Dehesa de la Villa noch 64 ha übriggeblieben. Mittlerweile liegt der Park mitten in der Stadt.

Die Spuren der alten Wasserversorgung Madrids in der Dehesa de la Villa

Die älteste Leitung wurde im 17. Jh. zwischen 1614 und 1616 gebaut. Man nannte sie „Amaniel-Wasserleitung“ (viaje de agua Amaniel). Über diese unterirdische Leitung wurde der Alcázar (der alte Königspalast, der vor dem jetzigen hier stand) mit Wasser aus dem Norden Madrids versorgt. Gegenwärtig kannst du noch einige Steinkappen seiner Belüftungsschächte in Form von gekappten Pyramiden sehen und den Verlauf der Leitung durch die Dehesa de la Villa verfolgen.

Im 19. Jh. bewässerte man Obstgärten, Bürgergärten und andere Industriezweige am Stadtrand von Madrid mit dem überschüssigen Wasser aus dem Nordwest-Graben des Canal de Isabel II. Dieser Kanal hieß im Volksmund El Canalillo. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden einige Reste der Leitung als Fußweg für Fußgänger und Radfahrer umfunktioniert.

Die ehemalige Straße durch die Dehesa de la Villa wurde zum Fahrradweg
Die ehemalige Straße durch die Dehesa de la Villa wurde zum Fahrradweg

Die Flora der Dehesa de la Villa

Im Laufe seiner Geschichte ist der ursprüngliche Steineichenbestand der Dehesa de la Villa stark geschrumpft. In der Zeit von Isabel II. begann die Wiederaufforstung mit Kiefern, die derzeit der häufigste Baum im Park sind. Dadurch besteht der Park zu einem großen Teil aus Kiefernwald.

Pinienwald in der Dehesa de la Villa
Pinienwald in der Dehesa de la Villa

In den 40er bis 60er Jahren war die Dehesa mehr oder weniger ein Wald am Stadtrand, wo man gerne ein Picknick machte.

Erst Anfang der 70er erfuhr der Park an einigen Stellen so etwas wie eine Landschaftsgestaltung. Dieses Gesicht von naturbelassenen Zonen bis hin zu Landschaften mit unterschiedlichen Kriterien ist bis in unsere Tage erhalten geblieben.

Abgesehen von der erwähnten Steineiche ist ein weiterer Baum des Mittelmeerwaldes erhalten geblieben: die Korkeiche. Es gibt Mandelbäume, meist Bittermandeln, und Akazien, die insbesondere in der Nähe der Francos-Rodríguez-Straße verbreitet sind.

Von den ca. 8 Bächen, die es hier gab, sieht man heute nichts mehr. Nur Straßennamen erinnern noch daran. Es gibt aber gewisse feuchte Gebiete, die man an den Pappeln, Weiden, Eschen und Ulmen erkennt. In den landschaftlich gestalteten Gebieten gibt es mehrere Zypressen sowie Mimosen, Eukalyptus, Zedern, Lorbeer und Pissard-Pflaumenbäume. An den Straßenrändern ist Ailanthus häufig.

Der Park Dehesa de la Villa im Herbstkleid
Der Park Dehesa de la Villa im Herbstkleid

Im strauchigen Substrat sind unter anderem die Steinrose, Ginster, Rosmarin und Brombeere zu finden.

Die Fauna in der Dehesa de la Villa

Obwohl der Park mitten in der Stadt des Distrikts Moncloa-Aravaca liegt, gibt es dennoch eine große Vielfalt an Vogelarten. Man sagt, es sind mehr als 70. Das macht die Dehesa de la Villa zu einem Juwel unter den Parks in Madrid.

Bei unserem zweistündigen Spaziergang fielen uns aber nur allgemein bekannte Vögel wie Haussperling, Fink, Elster, Kohlmeise, wilde Taube, Ringtaube, schwarzer Star, Blaumeise und Amsel auf.

Wenn du mehr über den Park erfahren möchtest, kannst du dir ein umfangreiches PDF auf Spanisch runterladen, in dem du viele Einzelheiten findest.

Was habe ich gelernt?

Die Dehesa muss man erleben!

Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich mich freue, dass ich durch die Pandemie viele Dinge neu betrachte, die ich gleichgültig als selbstverständlich hinnahm. Der Spaziergang durch den Park war sehr erholsam. Der Blick auf seine Geschichte hat mir die Augen für seine Flora, Fauna, Gestaltung und gesellschaftliche Bedeutung geöffnet. Ich habe verstehen gelernt, warum die Dinge, die ich dort sehe, so sind, wie sie sind. Für die Einwohner des Stadtteils ist er auf jeden Fall von unschätzbarem Wert, gerade in Zeiten wie jetzt.