Schon in Prádena wiesen uns die Leute darauf hin, dass Horcajuelo de la Sierra ein bezauberndes Dorf sei. Und in der Tat: Die Sensibilität und Bemühungen der letzten Jahre der Kommunalbehörden und Anwohner, das traditionelle Aussehen ihrer Häuser zu bewahren und Gebäude zu vermeiden, die nicht in dieses Bild passen, trägt seine Früchte. Die dunklen Steinkonstruktionen von enormer Schönheit gruppieren sich zu attraktiven Plätzen und Straßen. So integriert sich Horcajuelo wunderbar in die Landschaft. Dies hat dem Dorf dazu verholfen, von der Autonomen Gemeinschaft Madrid als Kern von ländlichem Interesse in den Katalog des architektonischen Inventars aufgenommen zu werden. Dies kommt natürlich auch dem lokalen Tourismus zugute.

Horcajuelo de la Sierra liegt in einer malerischen Enklave der Berge

Landschaft um Horcajuelo de la Sierra
Landschaft um Horcajuelo de la Sierra

Das Dorf liegt versteckt 1145 m über dem Meeresspiegel in der Sierra del Rincón, dem nordöstlichsten Teil der Sierra Norte der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Das zum Dorf gehörende Land von 24,2 km2 ist umgeben von steilen Hängen, reichlich vorhandenen Bächen wie La Garita und Grande und üppigen Wäldern. Das Gelände erreicht im Norden eine Höhe von 2030 m und fällt gen Süden auf 1050 m ab. Damit ist das Dorf eine der schönsten Enklaven Madrids, sowohl wegen seiner Natur und Kultur als auch wegen seines hervorragend erhaltenen Zustands.

Die geschichtliche Entwicklung des Dorfes

Früher schrieb man seinen Namen ohne H, also „Orcajuelo“. Schon unter den Arabern nutzte man die Weiden dieses Gebiets. Die Bevölkerung war aber nicht fest angesiedelt, sondern lebte hier nur zu bestimmten Jahreszeiten. Nach der Einnahme des Königreichs Toledo durch Alfons VI. verlief der Wiederbevölkerungsprozess sehr langsam und erreichte Horcajuelo erst 1275.

Laut der gefundenen Bibliographie soll das Dorf im 19. Jh. einmal 790 Einwohner gehabt haben. Unter den registrierten Berufen befand sich ein Schmied, ein Zimmermann, zwei Schneider, zwei Leinwandweber und ein Schulmeister. Horcajuelo soll eine der ersten Gemeinden mit einer Grundschule gewesen sein.

Straße mit typischen Häusern
Straße mit typischen Häusern

Ähnlich wie in den umliegenden Dörfern führte das Ende der traditionellen Viehwirtschaft und die Auswanderung dazu, dass Horcajuelo von 396 Einwohnern im Jahr 1900 auf 67 im Jahr 1991 abfiel.

Die vom Ministerrat am 29. Januar 1982 verabschiedete Erklärung zur „Sonderaktionsregion Sierra Norte de Madrid“ implizierte dauerhafte öffentliche Maßnahmen der Behörden der Autonomie zur Förderung und Verbesserung der Lebensqualität, der Erhaltung der Bevölkerung, der Entwicklung der Wirtschaftstätigkeit und des Produktionsystems des Gebiets. Auf dieser Grundlage wurden auch Subventionen für elementare Infrastrukturen in den Ortskernen bereitgestellt.

Eine wirkliche Änderung tritt aber erst ab 1988 ein, als die touristische Nachfrage nach traditioneller Kultur und Natur einsetzte. Von da ab nahm die Bevölkerung leicht zu. Heute leben in Horcajuelo ca. 89 Einwohner.

Einen entscheidenden Beitrag dazu steuerte 2005 die Erklärung zum Biosphärenreservat der Sierra del Rincón durch die UNESCO bei. Ausschlaggebend dafür waren der große landschaftliche Reichtum, die Repräsentativität der mediterranen Ökosysteme der Sierra del Rincón und ihr Modell zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Anwendung nachhaltiger Entwicklungspraktiken.

Horcajuelo de la Sierra ist eines der besten Beispiele für ländliche Architektur in der gesamten Autonomen Gemeinschaft Madrid

Abgesehen von den landschaftlichen Reizen ist in Horcajuelo die traditionelle Architektur von höchstem Interesse. Große Teile des Dorfes wurden mit besonderer Sensibilität der Einwohner für die Erhaltung und Wiederherstellung des Erbes ihrer Vorfahren restauriert. Hier stelle ich dir eine kleine Auswahl vor.

Panoramafoto des Platzes Plaza de la Comunidad de Madrid
Panoramafoto des Platzes Plaza de la Comunidad de Madrid

Die Kirche von San Nicolás de Bari

Wie fast überall sind die Kirchen als Zeugen der Zeit immer einer der ersten Anlaufpunkte. In Horcajuelo de la Sierra haben wir Glück, dass die Kirche nicht im Krieg zerstört wurde. Somit ist sie eine der kunstreichsten in der Sierra Norte. Hier stand vorher eine Kirche aus dem 15. Jh. Von dieser ehemaligen Kirche besteht heute noch die gotische Kapelle mit einem Rippengewölbe mit freiliegendem Stein. Sie ist aus Quadermauerwerk gebaut und hebt ihren schlanken Turm hervor, an dem die Glocken hängen.

Die Kirche San Nicolás de Bari
Die Kirche San Nicolás de Bari

Die Außenfassade steht in der Tradition des Mudéjar-Stils. Im Inneren der Kirche befinden sich ein mittelalterliches Taufbecken und ein barockes Altarbild im Presbyterium.

Die restaurierte Schmiede

Das Schmiedehandwerk ist ein sehr wichtiges Erbe menschlichen Wissens, das heute kaum mehr genutzt wird. Die Schmiede von Horcajuelo de la Sierra blieb nach ihrer Stilllegung erhalten. Zu sehen ist der riesige Balg, mit dem das Feuer angefacht wurde. Natürlich fehlen auch der Amboss und das Eisen-Temperierbecken nicht. Es werden auch ein Schärfrad und die in der Schmiede verwendeten Werkzeuge wie Zangen, Schweißgerät, Hämmer, Werkzeuge zum Formen von Nägeln usw gezeigt.

Über Audiomedien, in denen dir ein Erzähler in der Ich-Form die alltägliche Arbeit erklärt, wirst du in die Zeit versetzt, in der die Schmiede ein wesentlicher Teil der Kultur des Alltags war.

Der Beschlagsstand

Die Beschlags- oder Zwangsstände waren Konstruktionen, in denen Vieh beschlagen wurde. Diese gab es in so gut wie allen Dörfern der Madrider Berge, denn hier lebte man vornehmlich von der (Wander)Viehwirtschaft. Leider wurden im Laufe der Zeit viele zerstört.

Der Beschlagsstand
Der Beschlagsstand

Durch verschiedene Zuschüsse der Autonomen Gemeinschaft Madrid konnten einige gerettet werden. So auch das wunderschöne Exemplar in Horcajuelo de la Sierra.
Die Zwangsstände bestanden früher aus zwei parallelen Reihen mit jeweils drei Pfosten. Die ältesten bestanden aus Holz. Sie wurden dann durch Granit aus den Bergen ersetzt.
Die beiden hinteren Pfostenpaare konnten eine Höhe von mehr als zwei Metern erreichen, während die vorderen niedriger waren. Beide wurden in Längsrichtung mit Metall- oder Holzstangen im oberen Drittel und mit einer Metallstange am Rand der beiden vorderen Paare verbunden. Zwischen den Pfosten, die das erste Paar mit dem zweiten verbinden, befand sich das Joch.

Das Tier (nicht nur Pferde, sondern auch Ochsen oder Esel) wurde in den Stand eingeführt und immobilisiert, wobei der Kopf am Joch befestigt und ein oder zwei Lederriemen unter den Bauch geführt wurden. Diese, die an den Längspolen oder -stangen sowie an den oberen Metallstangen getragen wurden, wurden wie eine Riemenscheibe betrieben, um das Tier anzuheben.

Das angehobene Tier konnte nun beschlagen werden. Der Hufschmied entfernte sodann die alten Hufeisen mit Raspeln, Hämmern und Zangen.
Danach reinigte und nivellierte er mit einer flachen Klinge namens Pujavante den Huf oder die Hufen, damit das neue Eisen richtig aufliegen kann. Anschließend legte der Hufschmied das neue Hufeisen auf und befestigte es mit Nägeln.

Das ethnologische Museum

Auch in Horcajuelo de la Sierra gibt es ein ethnologisches Museum. Es ist in einem traditionellen Haus untergebracht, das nach den Richtlinien der traditionellen Architektur dieses Gebiets originalgetreu restauriert wurde: Wände aus Schiefermauerwerk, kleine Fenster, Wände aus Lehm und Stroh. Es ist mit gebogenen arabischen Fliesen gedeckt.

Das ethnologische Museum von Horcajuelo de la Sierra
Das ethnologische Museum von Horcajuelo de la Sierra

Das Erdgeschoss mit einem Portal und einem Stall mit großen Krippen beherbergt alles, was mit täglichen und alltäglichen Aufgaben zu tun hat: landwirtschaftliche Geräte (Heugabel, Rechen, Sense, Hacke …), Gegenstände zum Messen von Getreide (ein halber Scheffel) ) oder zur Herstellung des Mehls (Siebe), der Teigtrog und der Brotkneter für das Brot, das alle 15 Tage gebacken wurde.

Mache Urlaub vom Menschsein und wandere durch eine traumhafte Berglandschaft

Die Wanderwege um Horcajuela de la Sierra sind so konzipiert, dass du eine einzigartige Umgebung genießen kannst. Dazu brauchst du nicht sportlich fitt zu sein.
Auch wenn du hier im Hochgebirge bist, bist du nicht an Jahreszeiten gebunden. Die Routen können zu jeder Jahreszeit bewandert werden. Jede Jahreszeit hat ihren besonderen Charme. Allerdings wirst du Herbst und Frühling besonders lieben, weil dann die Landschaft besonders farbenreich ist.

Picknick auf dem Rastplatz am Garita-Bach
Picknick auf dem Rastplatz am Garita-Bach

Die Routen führen dich durch unterschiedliche Ökosysteme. Abhängig von der Topographie und der historischen Nutzung des Landes durchstreifst du Gärten und Obstplantagen und mit Wald durchsetzte Weiden. Der vorherrschende Baum ist die Eiche. Entlang der Bäche Garita und Grande bilden andere Baumarten wie Esche, Erle, Pappeln und wilde Pflaumenbäume kleine Auwälder. In den höheren Gebieten sind die Wälder fast verschwunden. An ihrer Stelle triffst du Ginster, Steinrose, Wacholder und Kräuter wie Lavendel, Thymian oder Rosmarin.

Du kannst dir deinen Wanderweg in diesem Prospekt auswählen.

Ich möchte diesen Beitrag mit einem leicht abgewandelten Spruch vom spanischen Philosophen Ortega y Gasset abschließen und dir mit auf den Weg: geben

„Denn darin wurzelt ja der ganze Reiz
und die Wonne des Wanderns,
dass der Mensch,
der durch seinen unvermeidlichen
Fortschritt aus der urväterlichen
Nachbarschaft mit Tieren, Pflanzen
und Gestein, kurz der Natur verdrängt ist,
sich der künstlichen Rückkehr zu ihr erfreut,
der einzigen Beschäftigung,
die ihm so etwas wie
Ferien vom Menschsein gestattet“

(Meditationen über die Jagd; Ortega y Gasset; Verlag Dürckheim; München 2012)
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Dieser Beitrag ist auch in Spanisch verfügbar

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